Weil die Grünen gegen das neue Atomkraftwerk mobil machten, gab es eine Sondersitzung im estnischen Parlament. Auch Polen zögert mit der Beteiligung am Neubau.
von Reinhard Wolff
In Estland formiert sich der politische Widerstand gegen eine Beteiligung des Landes am Bau eines neuen AKW in Litauen. Die Fraktion der Grünen sammelte jetzt genug Unterschriften von Abgeordneten, um das estnische Parlament trotz Ferien zu einer Sondersitzung zusammenzurufen. Diese wird am Montag kommender Woche stattfinden. Auf der Tagesordnung sollen zwei Gesetze stehen, welche der Regierung praktisch erst einmal verbieten würden, weitere Verhandlungen für einen AKW-Neubau zu führen, solange sie nicht einen langfristigen Energieplan für das Land vorgelegt hat.
Bislang fährt Tallinn nämlich dreispurig. Einerseits plant man den Bau von zwei mit Ölschiefer befeuerten Kraftwerken. Ökologisch und klimapolitisch wäre dies zwar äusserst fragwürdig, weil der im Land reichlich und damit billig vorhandene Ölschiefer einer der schmutzigsten Energiequellen überhaupt ist. Doch der Strombedarf Estlands wäre damit gedeckt. Andererseits setzt die regierung auf eine Beteiligung an einem gemeinsamen baltischen AKW-Projekt. Und zusätzlich wurde im Dezember letzten Jahres auch noch ein Stromkabel mit Finnland mit einer Kapazität von 350 MW eingeweiht, wobei die staatseigene Elektrizitätsgesellschaft Eesti Energia klarmachte, dass sie sich am allerliebsten an einem finnischen AKW-Neubau beteiligen würde.
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