Estland, Lettland und Litauen bekommen die Inflation nicht in den Griff. Ökonomen sehen die Wirtschafts überhitzt.
Auf den ersten Blick geht es den Balten so gut wie niemals zuvor. Die Löhne wachsen, getrieben von einem Wirtschaftswachstum um die zehn Prozent, in gigantischem Tempo: Esten und Litauer verdienen derzeit um ein Fünftel mehr als noch vor einem Jahr, die Letten haben sogar um ein Drittel mehr im Lohnsackerl. Der Privatkonsum wächst sogar noch schneller – er ist zusätzlich von einem Kredit-Boom getrieben.
Das hohe Wirtschaftswachstum sorgt auch für eine stetig sinkende Arbeitslosigkeit – freilich zusammen mit der Emigration junger Balten in EU-Staaten, die ihre Grenzen geöffnet haben. In Lettland sind derzeit 5,8 Prozent ohne Job, in Litauen und Estland sogar unter drei Prozent.
Ausblick auf „negativ“ gesetzt
Über dieser freundlichen Kulisse hängen allerdings dunkle Gewitterwolken. Sichtbarstes Zeichen dafür: Die Inflation steigt sprunghaft auf ungeahnte Rekordwerte. In Lettland erhöhte sich die Teuerungsrate im Juli auf 9,5 Prozent, in Estland auf 6,4 und in Litauen auf 5,1 Prozent. Litauen ist im Vorjahr nur ganz knapp an den Maastricht-Kriterien zur Euro-Einführung gescheitert, nun ist die Gemeinschaftswährung ferne Zukunftsmusik: nicht vor 2011, lauten nun die Prognosen. Denn ein Ende der Teuerung ist laut Experten nicht so schnell in Sicht – nicht zuletzt deshalb, weil Gazprom die Erdgaspreise weiter anheben will.
Schon seit Monaten warnen Ökonomen davor, dass die Wirtschaft im Baltikum, vor allem in Estland und Lettland, überhitzt. Das Ergebnis könnte eine „harte Landung“ sein – also eine veritable Wirtschaftskrise. Jetzt hat auch die Ratingagentur Standard & Poor’s ihre Bewertungen der baltischen Volkswirtschaften von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Moody’s hatte diesen Schritt schon im Frühling gesetzt.
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