Kategorie(n) | Armenien

Im Schatten des Ararat

Veröffentlicht am 20 August 2007 von Paul Becker


Armenien ist sicherlich kein klassisches Urlaubsland. Doch die Kaukasusrepublik hat es verdient, entdeckt zu werden – mit viel Natur, Geschichte und Gastfreundschaft.

Leicht verwundert reagieren die meisten Mitmenschen schon, wenn man auf die Frage nach dem letzten Reiseziel Armenien zur Antwort gibt. Die Reaktionen pendeln zwischen „Was hast Du denn da gemacht?“ und „Wo liegt das gleich noch mal – irgendwo da hinten, oder?“.

Dabei ist die kleine, zwischen der Türkei, Georgien, Aserbaidschan und dem Iran gelegene ehemalige Sowjetrepublik gar nicht aus der Welt. Von Wien beispielsweise geht täglich ein Flieger in die Hauptstadt Yerevan. Seit einigen Jahren haben sich die kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Nachbarn Aserbaidschan beruhigt, so dass nichts mehr gegen eine Reise nach Armenien spricht, stattdessen aber sehr viel dafür: Das Land hat eine archaische Natur vorzuweisen und schon der Anblick des biblischen Ararats, des heiligen Berges der Armenier, läßt das Herz höher schlagen.
Ein Muss für jeden Armenien-Urlauber sind natürlich die unzähligen Klöster. Sie legen Zeugnis ab von der Jahrhunderte alten christlichen Tradition – schließlich wurde in Armenien bereits im Jahre 301 als erstes Land auf der Erde das Christentum eingeführt.

Und doch sind die Wurzeln jenes uralten indogermanischen Volkes noch viel älter. Überall im Land findet man die Spuren heidnischer Kultplätze, teilweise in Symbiose mit dem Christentum. Faszinierendes Brauchtum kann man an Ostern beispielsweise im Höhlenkloster Geghard erleben, das von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Armenier wohnen einerseits dem Gottedienst bei und zünden in den Felskapellen Kerzen an, opfern aber ebenso im heidnischen Bezirk vor der Klostermauer mitgebrachte Hähnchen und binden Glücksbänder an die Bäume – ein Hauch von Tibet. Danach wird noch das Wasser der heiligen Quelle in Plastikflaschen abgefüllt, schließlich befindet sich das Kloster am Platze eines uralten Quellheiligtums.

Die geographische Lage Armeniens zwischen Asien und Europa spiegelt sich auch in den Menschen wider. Sie haben sehr viel Europäisches in ihrem Wesen und doch muss man nur auf die Straßen der Hauptstadt gehen, um sich sofort im lebhaften Orient wiederzufinden – das Überqueren einer Straße kann in Yerevan zum echten Abenteuer werden. Natürlich weht in dem kleinen Land auch noch ein Hauch der ehemaligen Sowjetunion, und die verrostenden Industrie-Geisterstädte im Norden hinterlassen einen eher traurigen Eindruck. Entschädigt wird man dafür von den atemberaubenden Hochgebirgskulissen des Kaukasus und der herzlichen Gastfreundschaft der Bewohner. Die armenische Küche vereint europäische und orientalische Einflüsse zu raffinierten Geschmackserlebnissen. Nach und nach bildet sich in dem kleinen Land auch eine touristische Infrastruktur heraus. Armenien besitzt zwar kein Meer, dafür aber den herrlichen Sevansee – die blaue Perle des Landes.

Quelle: Rosenheimer Nachrichten

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