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Usbekistan: Vorbereitng zu einer lebenslangen Regierung Karimovs?

Veröffentlicht am 25 August 2007 von Paul Becker


Usbekistan bereitet sich auf eine 16- jährige Feier der Unabhängigkeit und zeigt hartnäckig nach Außen, dass es im Land alles in Ordnung ist.

Bildquelle: Wikipedia

Die gesamte Hauptstadt ist an diesen Tagen mit nationalen Flaggen und gigantischen Plakaten, die die Bevölkerung an die herannahende Feier der Unabhängigkeit (Mustakillik) errinerten, die taditionell am 1. September gefeiert wird, nur so übersät.

Auf der Konzertfläche “Nawrus” (Navruz), die direkt neben dem nationalen Park “Navoi” liegt, wird von Morgens bis Abends die Hauptfeier des Landes repetiert. Auf dem Platz “Besch- Agatsch” (Besh- Agatch) kann man Studentenmassen mit bunten Fähnleins beobachten. Diese werden während des Konzertes in freiwillig- erzwungenen Weise Statisterie darstellen. Und die Tonaufzeichnungen der Revuestars hört man killometerweit.

Dem herannahenden Mustakilik wird jede zweite Fernsehsendung gewidmet und die Hauptseite der nationalen Informationsagentur “UsA” (UzA) flimmert nur so von Überschriften, die die Unabhängigkeit preisen. So wurde auf der Seite unter der Rubrik “Unabhängigkeit Usbekistans im Schicksal der Bevölkerung” eine Monologreihe einfacher Bürger veröffentlicht.

Die herannahenden Wahlen dagegen werden nirgendwo mit einem Wort erwähnt. Bis heute ist kein einziger Präsidentschaftskandidat bekannt und es gibt kein einziges Wahlprogramm. Keine einzige Zeitung oder ein Fernsehsender Usbekistans erwähnt sie mit nur einem Wort (UzA inklusive), als ob dieses Wort einstweilen verboten ist – bis der Befehl von oben kommt.

Doch die massive Propaganda der Errungenschaften des usbekischen Volkes in den Jahren der Unabhängigkeit spricht nach Meinung von Generalsekretär der demokratischen Oppositionspartei “Eri” Atanazar Arifov bereits für die Werbekampagne Islom Karimovs (Islam Karimow).

“Offiziell wurden die Wahlen noch nicht angekündigt, doch inoffiziell begann bereits massive Propaganda des heutigen Regimes”- meint Arifov. Die staatlichen Massenmedien begannen bereits verstärkt die Errungenschaften der Republik zu lobpreisen, es werden Wettbewerbe und Feiern mit nur einem Ziel abgehalten – die Bevölkerung von der Prosperität im Land zu überzeugen – alle davon zu überzeugen, dass Islom Karimov die Unterstützung der Bevölkerung genießt.”

Doch diese Propaganda Karimovs, wird nach Meinung Arifov ihm nicht helfen den Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen und um an der Macht zu bleiben wird er das Gesetz brechen, ohne die Meinung der Bevölkerung zu beachten.

“Alle warten auf seinen Abgang, manche warten sogar auf ein Wunder. Doch ich bin überzeugt, dass Karimov seine Macht nicht abgeben wird und die Frage darüber, ob die Wahlen stattfinden, oder nicht, ist nicht so relevant”- so Arifov.

Ungefähr die gleiche Meinung vertritt der Vorsitzende der Initiativgruppe unabhängiger Bürgerrechtssprecher Usbekistans Surat Ikramov.

“Die Frage ist, werden die Wahlen abgehalten, oder wird der Senat mit einem neuen Beschluss eine weitere 7-jährige Regierungszeit Islom Karimovs absegnen? Ich persönlich tendiere zum Letzteren, da es bis Heute keine andere Kandidatur gibt, die von der Regierung anerkannt ist. Alle Massenmedien, inklusive der ausländischen schweigen darüber, nirgendswo werden Diskussionen bezüglich der zukünftigen Wahlen geführt. Und die Wahlen mit nur einer Kandidatur sind mehr als lächerlich – das sind keine Wahlen mehr.

Deswegen wird meiner Meinung nach jeder Bürger Usbekistans, der die Situation einschätzen kann, mit Sicherheit sagen, dass Karimov erneut den Posten besetzen wird.”

Textquelle: Vlasti.net (rus)

Übersetzung: gusnews

Crosslinks:

- Karimov erhöhte den Lebensstandard der Usbeken auf 12$ im Monat
- Trotz neuer EU- Resolution wird in usbekischen Gefängnissen weiterhin gefoltert
- Amtszeit abgelaufen, nichts passiert
- Usbekistan: Haftstrafen enden häufig tödlich

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1 Kommentare für diesen Artikel

  1. admin Says:

    Bemerkenswert ist in meinen Augen nicht die Tatsache, dass die meisten Zentralasiatischen Staaten autokratisch regiert werden (es gab eine sehr lange Tradition der Chanate und auch die Sowjetmacht war alles Andere als pluralistisch), sondern in erster Linie wie wenig wir in Europa über diese Länder wissen. Im Vergleich zu der Russland- , Ukraine- und Weißrusslandberichterstattung gibt es kaum Nachrichten, die aus dieser Region bis zu uns vordringen, mit ein Paar Ausnahmen von Skandalen um die Familie Nasarbajew, oder wenn es Mal eine Revolution (wie in Kirgistan) gibt bzw. eine blutige Niederschlagung eines Aufstandes (wie in Usbekistan).

    Hatten Sie denn gewusst, dass Nasarbajew (Präsident Kasachstans) seinen Schwiegersohn (Sohn Alijews), der gerade in Österreich politischen Asyl beantragt hat, den Mord an einer Journalistin vorwirft und seine Tochter dazu gezwungen hat sich von ihm zu scheiden, um sie dann trotzdem aus dem politischen Leben und der Partei “Nur Otan” auszuschließen, obwohl sie bereits als ein Nachfolgekandidat auf den Präsidentenposten gehandelt wurde?

    Nein? Ich wusste es auch nicht, bis ich diese Nachricht übersetzt und auf meiner Seite publiziert hatte.

    Welche Gründe hat der Nasarbajew dafür gehabt? Wollte er seine Tochter schützen, bevor es noch mehr Sachen ans Tageslicht geraten? Und warum erfährt der Deutsche Leser nichts davon? Immerhin bemüht sich Deutschland und Europa um gute Wirtschaftskontakte mit dem Ölreichen Land (Stichwort Kaspische Pipeline die eine Verlängerung der Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline sein soll und Europa vom russischen Öl und russischem Pipelinenetz unabhängiger machen sollte). Oder berichtet man gerade deswegen nicht darüber?

    Fragen über Fragen. Wo sind denn die Antworten?

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