Die deutsche Presse berichtete in den letzten Tagen ausführlichst über die neuesten Ereignisse in der “Rosenrepublik”.
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- Stern: Rosenrevolution verwelkt
- DiePresse.com: Georgischer Präsident verhängt Ausnahmezustand
- DW: Neuwahlen und Ausnahmezustand nach Protestwelle in Georgien
- SpiegelOnline: “Das ist Manipulation und keine Demokratie”
- RIA Novosti: Neuwahl in Georgien: Saakaschwilis cleverer Schachzug
Es fiel mehrmals der Name Badri Patarkazischwili. Angesichts dessen, dass er sich für die georgische Präsidentschaftskandidatur bewerben will, ist es interessant zu wissen, um wen es sich beim Herrn Patarkazischwili handelt. Zudem machte mich seine Aussage, er werde den letzten Tetri ausgeben, um das faschistische Regime Saakaschwilis zu beseitigen, neugierig, denn bei einem geschätzten Vermögen von 12 Mrd. $ (was das 6-fache des georgischen BIPs ausmacht) sehr beeindrucken klingt. Ich fragte mich, wer dieser Mensch denn sei.
Bildquelle: wikipedia
Hier ist seine kurze Biografie:
Geboren: 1955 in Tbilissi
Bildung: Georgischer Politechnischer Institut. Verheiratet 2 Töchter Liana (1980) und Ija (1983) – verheiratet mit dem ukrainischen Geschäftsmann Ewgenij Gunjak.
1990 Direktor der kaukasischen Regionalvertretung von LogoVaz
Ab 1992 Stellvertretende Generaldirektor von LogoVaz
1993 Ankunft in Moskau. Hilfe bei der Anmeldung bekommt er von Kwantrischwili.
April 1994 – April 1995 Stellvertretende Präsident des Verbandes “Russischer Autodealer”
Ebenfalls 1994 bekam den Posten des Stellvertretenden Generaldirektors von LogoVaz (und 3,5% Aktien der Firma)
Ab Januar 1995 Stellvertretende Generaldirektor der geschlossenen Aktiengesellschaft “Gesellschaftliches russisches Fernsehen” (Abgekürzt ORT – obschtschestwennoje rossijskoje telewidenije) – Schwerpunkt seiner Arbeit lag in der Kommerz und Finanzen der Aktiengesellschaft.
1. August 1995 Vorsitzender des Direktorrates von “ORT – Reklama” (Werbeagentur bei dem Sender)
Oktober 1996 Vorsitzender des Direktorrates von “Objedenjennyj Bank”
1997 Vorsitzender der Ausschreibungskommission für den Verkauf der Kontrollmajorität an Aktien der AG “Sibneft”. Die Komission lehnte den Antrag für die Teilnahme an der Ausschreibung der Firma “KM Invest” – die die Interessen der Oneximbank vertrat, ab.
September 1997 – Juni 1999 Mitglied des Direktorrates der AG “Sibneft”.
Juni 1999 Mitglied des Direktorrates von “TV- 6 Moskau”
Juni 2001 Beresowski sagt in einem Interview aus, dass die Kontrollmajorität der “Nesawisimaja Gaseta” er und Patarkazischwili sind.
In der ersten Hälfte 2001 wurde Patarkazischwili mehrmals als Zeuge bei der Untersuchung der versuchten Flucht von dem Hauptangeklagten in der “Aeroflot- Affäre” Nikolaj Gluschkow. Am 20 Juni 2001 stellte die Staatsanwaltschaft ihm ein Ultimatum. Bei einer erneuten Nichterscheinung stellt die Staatsanwaltschaft einen Antrag auf seine Verhaftung.
29. Juni 2001 legte die Generalstaatsanwaltschaft eine Anschuldigung Patarkazischwilis für die Organisationen der Flucht Gluschkows vor und da sein Aufenthaltsort zu dem Zeitpunkt unbekannt war, wurde nach ihm gefahndet.
Am 4. Juli 2001 veröffentlichte “Kommersant” ein Interview mit Badri Patarkizischwili, in dem er sagte, er sei nicht der Vorladung gefolgt, da er eine Verhaftung befürchtete. Der Fall über die versuchte Flucht von Gluschkow nannte er im Interview als eine Provokation der FSB (Russischer Inlandsgeheimdienst).
Am 9. Juli 2001 nahm der georgische Präsident Eduard Schewarnadse Patarkazischwili unter seinen Schutz. Er sagte, dass Patarkizischwili ein Bürger Georgiens und sein alter Freund ist. Er keine ihn seit der Zeit als er (Schewarnadse) den Chefposten des ehemaligen Ministeriums für Auslandsangelegenheiten der UdSSR verlassen hatte.
Am 21. November 2001 lehnte die Staatsanwaltschaft Georgiens offiziell ab, Patarkazischwili an Russland auszuliefern.
Ende Januar 2002 schickte Patarkizischwili ein offenes Brief an die Redaktion der “New York Times” in dem stand: “Die Schließung Kremls eines unabhängigen Fernsehsenders erinnert an die Taktik des peruanischen Diktators Alberto Fujimori. 1997 wurde der Besitzer des Fernsehsenders “Frecuenta Latina” Barucha Ivchera enteignet und es wurde nach auf Antrag der Staatsanwaltschaft international gefahndet, weil sein Fernsehsender kritische Reportagen über das peruanische Geheimdienst gezeigt hatte. Die Gleiche Politik verfolgt der russische FSB, der eine offensichtliche Stütze der Regierung Putins darstellt gegenüber dem NTV und TV-6, weil sie den Krieg in Tschetschenien kritisiert haben. Als Resultat müssen die Inhaber dieser unabhängiger Sender (Beresowski, Gussinski und ich Patarkazischwili) im Ausland leben, weil nach uns mit fabrizierten Haftbefehlen gefahndet wird.
23. Oktober 2002 Anklage durch die russische Staatsanwaltschaft wegen einer Unterschlagung von mehr als 2000 Autos in den Jahren 1994 und 1995 der AutoVAZ durch die damals zusammen mit Beresowski geführte Firma LogoVAZ. Der Generalstaatsanwalt Georgiens sagte diesbezüglich, er habe keine offizielle Anfrage über die Auslieferung Patarkazischwili seitens Russland erhalten und auch wenn er eine bekommt, wird kein georgischer Bürger ausgeliefert. In solch einem Fall wird die Staatsanwaltschaft die Dokumente anfordern und gegebenenfalls Patarkazischwili nach einem geltenden georgischen Gesetz richten.
Im März 2006 brach Patarkazischwili mit den Organisatoren der Rosenrevolution in Georgien. Er warf der Regierung Saakaschwili vor, über die Steuerbehörde Druck auf die Medien auszuüben.
Im September 2006 verkaufte er das Verlagshaus “Kommersant”, dessen Kontrollmajorität er Anfang 2006 von Beresowski übernommen hatte, an den Kremlnahen Oligarchen Alischer Usmanow.
Seine Kampfansage über die bevorstehenden Wahlen machte er aus dem sicheren London, wo sein langjähriger Geschäftspartner Beresowski lebt. Während der gewaltsamen Auflösung der Protestaktionen in Tbilisi wurde der von ihm mitfinanzierte Fernsehsender, der zum Großteil dem amerikanischen Medienmagnaten Rupert Murdoch gehört, völlig zerstört. Und Patarkazischwili selbst wird von der georgischen Staatsanwaltschaft verdächtigt, Coup d´etat vorbereitet zu haben.
Paradox ist nur, dass Saakaschwili die Protestaktionen in Tbilisi als Tat russischer Geheimdienste abstempelte und Patarkazischwili kann man nun wirklich nicht als Freund Kremls bezeichnen. Ob er zu den Wahlen zugelassen wird ist meiner Meinung nach fraglich. Zwei Gründe sprechen dagegen. Erstens, es ist sehr einfach, ihn von den Wahlen abzuhalten. Man bräuchte ihn nur anzuklagen, wovon angesichts der Äußerungen der georgischen Staatsanwaltschaft man ausgehen kann. Und Zweitens ist Patarkazischwili kein ethnischer Georgier, sondern georgischer Jude und die Mehrheit der Bevölkerung denkt immer noch, dass der Staatspräsident nur ein ethnischer Georgier sein kann. Doch momentan ist die Unzufriedenheit in der Bevölkerung so groß, dass er vielleicht doch eine Chance haben kann.
Es bleibt auf jeden Fall sehr spannend wie die Geschichte ausgeht. Am 5. Januar werden wir mehr wissen. Denn da sind nämlich die Neuwahlen.
Paul Becker/ gusnews

Crosslinks:
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