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Ende der GUS?

Veröffentlicht am 27 November 2007 von Paul Becker


Das Transportportal “Gudok” schreibt, dass die GUS dann aufhört zu existieren, wenn überall der Elitenwechel stattfinden wird.

Wladislaw Inosemzew, Leiter des Researchzentrums für postindustrielle Entwicklungen (© Gudok)

Die Gemeinschaft ist eingekeilt zwischen dem Vereinten Europa af der Einen Seite und dem schnellwachsenden China auf der Anderen Seite. Kann Russland mit diesem Hintergrund sich zu einem adäquaten Anziehungszentrum für postsowjetische Länder werden, ein Nachahmungsmodell anbieten – ist die größte Frage überhaupt.

Zu den Interessen und Zielen Russlands in dem “Nahen Ausland” sagte Inosemzew folgendes:


“Meiner Meinung nach sollten die Primärziele Moskaus auf dem Territorium der ehemaligen UdSSR die Vertiefung der sich natürlich entwickelnden sozio- ökonomischen Integration der GUS- Länder und die Erhaltung des Friedens auf dem gesamten Territorium liegen. Momentan führt Russland eine Blockpolitik nur mit den Ländern, die die absolute Führungsrolle Russlands in der Gemeinschaft akzeptieren. Die Anzahl solcher Länder wird allmälig zurückgehen, da der Elitenwandel bringt die Kräfte an die Macht, die Russland bisweilen ignorierte, oder gegen die es sogar aktiv vorging. Objektiv gesehen hört die GUS auf zu existieren, wenn es örtlicher Elitenwechsel stattfindet. Die GUS zeigte ihre Unfähigkeit bei der Lösung politischer Probleme, die in einigen Ländern der Gemeinschaft nach ihrer Unabhängigkeit aufgetaucht worden waren. An erster Stelle denke ich an die Konflikte in Bergkarabach, Südossetien, Abchasien und Transnistrien. Auch der Handel untereinander stagniert kontinuierlich. So betrug der Handelsumfang Russlands mit den GUS- Ländern in der ersten Hälfte 2007 nur 13,2% des Außenhandelsumsatzes der Föderation. Die GUS spaltete sich praktisch gegenwärtig in den pro russischen EAHU (Europäisch- Asiatische Handelsunion) und in den antirussischen Block GUAM (Georgien – Ukraine – Aserbaidschan – Moldawien).”

Auf die Frage, ob man die GUAM- Länder für Russland als verloren gelten lassen kann antwortete Inosemzew so:

Moldawien und die Ukraine befinden sich momentan auf dem Weg Richtung EU und werden höchstwahrscheinlich in den nächsten 20 Jahren in die Union integriert. Georgien wird seiner Meinung nach nicht so schnell den Weg in die EU finden und Aserbaidschan hat gar kein Interesse daran. Ich Baku sprechen viele Russische und wollen einen Dialog mit Russland, so Inosemzew.

Auf die Frage, was für die russische Wirtschaft und Politik die offensichtliche Neigung nach Osten denn bedeute, sagte Inosemzew:

“In Duschanbe will man wirklich den Memorandum über die Zusammenarbeit von EAHU und SCO (Shanghai Cooperation Organisation). Ich würde es aber nicht als einen Integrationsschritt bezeichnen. China führt eine deutlich expansivere Politik in Zentralasien. Kasachstan und Usbekistan besitzen bereits Pipelines nach China, in Turkmenistan wird bereits eine gebaut. Russland hat bislang keine Anstalten gemacht in diese Richtung zu arbeiten. Das verstärkte Engagement Chinas in den Ländern Zentralasiens, die nicht direkt an Russland angrenzen wird immer deutlicher. Unsere Politiker verschließen die Augen und ich denke zu Unrecht.”

Und die letzte Frage, wie die Konfiguration des postsowjetischen Bereichs in 5 bis 10 Jahren aussehen, gab Inosemzew folgende Antwort:

Der gesamte postsowjetische Raum, inklusive Russland, steht vor einem einzigen Problem – der “Orientierung” in Koordinaten “West- Ost”. Die GUS ist eingekeilt zwischen zwei Polen. Im westen grenzen wir an das vereinte Europa mit 493 Millionen Einwohnern, einem BIP von 14,3 Billionen und einer Quote, die 16,2% der weltweiten Exporte ausmacht. Im Osten liegt China mit einer Bevölkerung von über 1,3 Milliarden, einem BIP von 2,9 Billionen und 8,3% der weltweiten Ausfuhren. Diese Polen bildeten sich in weniger als 20 Jahren- in der Zeit, die als verlorene für Osteuropa gilt. 1989 noch betrug das BIP von China nur die Hälfte des sowjetischen BIP und westeuropäische Länder gehorsam den Dollar anbeteten, der heute gegenüber dem Euro massiv an Wert verliert. Und nur ein Blinder sieht nicht, dass die postsowjetischen Länder entweder Richtung EU (Baltikum, die Ukraine, Moldawien und Georgien) oder China (Kirgistan und teilweise Usbekistan und Turkmenistan) abdriften. Und Russland mit all ihrer “Energiesupermacht” macht nur 2% des Welt- BIP und 2,5% der weltweiten Ausfuhren aus. Werden wir zu einem adäquaten Anziehungszentrum für postsowjetische Länder? Können wir ein anziehendes Nachahmungsmodell anbieten? Das ist die Herausforderung. Wenn wir es schaffen, dann können wir uns über die Konfigurationen im postsowjetischen Raum unterhalten. Und wenn nicht, dann wird der gesamte “Postsowjetismus” dieses Raumes in 30 Jahren in Vergessenheit geraten und die GUS mutiert zu einer kleinen “Pufferzone” zwischen der EU und China.

Quelle: gudok.ru

Übersetzung: Paul Becker/ gusnews

Crosslinks:

- Sozio- ökonomische Entwicklung der Republik Kasachstan im Zeitraum Januar- Juli 2007
- Russland, Zentralasien und demographischer Wandel
- Kasachstan fordert Reform der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten
- Wie sollte sich die westliche Welt gegenüber den “Demokratien” Zentralasiens verhalten?

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