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Ethnie oder Ethnos ist ein Begriff aus der Ethnologie. Völkerkundler (Ethnologen) fassen mit diesem Begriff Menschen mit gleichen sprachlichen und kulturellen Eigenschaften bzw. Merkmalen zusammen.
Eine Beziehung ist eine Gemeinschaft zwischen zwei oder mehreren Individuen die zu einer Einheit (Gruppe) zusammengefasst sind, emotionale Bindekräfte aufweisen und ein Zusammengehörigkeitsgefühl (Wir-Gefühl) haben.
Einführung
Die ideologische Vision einer besseren Zukunft des proletarischen und späteren sozialistischen Internationalismus beherrschte den Ostteil des europäischen Kontinents und schloss inhaltliche Debatte über die Relevanz der Ethnizität aus. Eine Erwähnung des Themas provozierte normalerweise schon einschränkende politische Reaktionen von Staatseinrichtungen. Die Reaktionen hatten ihren Hintergrund in den frischen Erinnerungen über ethnische Bewegungen und blutige zwischenethnische Zusammenstöße. Unter der Oberfläche der politischen Stabilität und Homogenität waren diese Erinnerungen lebendig und konnten ein plötzliches politisches Wiederaufleben in Bewegungen für die ethnische Autonomie oder Unabhängigkeit hervorrufen.
Die Machtinhaber waren gut der Zerbrechlichkeit von politischen Maßnahmen bewusst, die ein auferlegtes Verbot des Ziels und wissenschaftlich kritisches Gespräch über ethnische Probleme einschlossen. Es war nicht der Unterschied, sondern die Einheit, die politisch von Bedeutung war. In der wünschenswerten zukünftigen Gesellschaft musste soziale Gleichartigkeit durch das Ausschließen der ethnischen Schichtung der Gesellschaft definitionsgemäß vorherrschen.
Jedoch war das Thema der Ethnizität im sozialen wissenschaftlichen Gespräch im Westteil des europäischen Kontinents auch nicht willkommen. Der aufs Rezept verschriebene Triumph des liberalen universalistischen Individualismus konnte kaum mit der kollektivistischen, ethnischen Identität in Verbindung gebracht werden. Die große Idee der liberalen, meritokratischen Ökonomie und politischen Ordnung war inkompatibel mit den kollektiven Ethnischen Präferenzen. Anwachsen der ethnischen Frage könnte die Anstrengungen, Europa Frieden zu bringen wieder zunichte machen und europäische Völker wieder in Ihre alten Denkmuster und Feindbilder zurückwerfen. Die Erinnerungen an die großen ethnischen Kriege waren noch zu frisch.
Der Realpolitik war es natürlich bewusst, dass Ethnizität und Nationalismus nicht über Nacht beseitigt werden konnten. Es war nur nicht Willkommen diese Themen öffentlich anzusprechen. Dieser Stil, bewusst die Probleme der Ethnizität und interethnischen Beziehungen im öffentlichen Gespräch zu unterdrücken, indem ein sorgfältiges Auge auf ihnen in der praktischen Politik dauerhaft behielt, war ein größtenteils europäisches Phänomen. Die “weiche” Abteilung der Tschechoslowakei und der turbulente Zusammenbruch der Sowjetunion und Jugoslawiens zeigten wie schnell und effizient die die latenten zwischenethnischen Spannungen und Konflikte ausbrechen können und die politische Entscheidungsfindung und Handlung beeinflussen können. Keiner konnte sich am Anfang des Transformationsprozesses vorstellen, dass Hunderttausende in Jugoslawien und auf dem Territorium der Sowjetunion wegen der ethnischen Frage getötet, oder vertrieben werden können. Die starke und klare Ethnisierung bzw. Politisierung der Ethnizität hielt in Europa wieder Einzug und stellte die Forscher und Politiker vor Aufgaben, die als längst überwunden galten.
Theoretischer Rahmen und Analyse
Die historische Erfahrung zeigt, dass es für die theoretische Betrachtungsweise am realistischsten ist die interethnischen Beziehungen anhand von ungleichem Zugang zu Ressourcen (seien es ökonomische, politische, oder kulturelle Ressourcen) zu untersuchen. Die Veränderungen im ethnischen Geflecht sind meistens mit den Veränderungen in der Gesellschaftsgliederung bezüglich des Zugangs zu den Ressourcen identisch. Diese Strukturen und Dynamiken in den interethnischen Beziehungen gehen auf Max Weber´sche Idee der multidimensionalen Gliederung der Gesellschaft, auf der Basis variierender Niveaus der Zugänge zu den Ressourcen, die immer begrenzt sind, zurück. Max Weber definierte ethnische Gruppen nach ihren spezifischen Traditionen, Bräuchen, Sprachen, Blutsbeziehungen, einer gemeinsamen Geschichte und ethnischer Ehre.
Die Pionierarbeit in der Erforschung auf dem Geiet der interethnischen Beziehungen leistete aber die Chicago School of Sociology. Sie fokussierte Ihre Arbeit auf der Spezifik der amerikanischen Erfahrungen mit Integration von Migrantenwellen aus aller Welt. Robert E. Park und Ernest W. Burges interpretierten die Dynamik der interethnischen Beziehungen im Hinblick auf die Assimilationsstufen der Neuankömmlinge in einer bereits etablierten Kultur, deren Träger die Mehrheit der im Land befindlichen Bevölkerung ist. Die Funktion des amerikanischen “melting pot of cultures” wurde hoch gelobt und funktionierte demnach effizient durch zwei Werkzeuge:
Die Akkulturation (lernen der dominanten englischen Sprache, Werte und Normen der etablierten amerikanischen Gesellschaft)
und durch die Amalgamierung (ethnische Mischehen). Als Resultat war die dritte Generation der Migranten bereits vollkommen in die Gesellschaft integriert bzw. assimiliert.
Doch die Schwierigkeiten, die amerikanische Gesellschaft mit der Integration der spanisch sprechenden Migranten erfuhr, zeigten die Grenzen der “Schmelztiegelnation” auf. Auch die veränderte Sicht auf die Menschenrechte und die multikulturelle Erfahrungen Kanadas stehen im klaren Gegensatz zu der Arbeit der Chicago School of Sociology.
Wie sieht denn die Situation in Tatarstan aus? Ist das Konzept der Chicago School of Sociology für diese Republik anwendbar? Die Antwort lautet ganz klar nein. Die Tataren schafften es Ihre Kultur seit Jahrhunderten zu bewahren und zu reproduzieren. Es kann also in nicht von einer Assimilierung nach dem Chicagoer Konzept gesprochen werden. Auch kann es in der autonomen Republik Tatarstan nicht von einer etablierten russischen Gesellschaft gesprochen werden, da die Russen dort nur 41% der Bevölkerung stellen. Im Falle von Tatarstan sollte eher von einer gegenseitigen Adoptation, die seit 1552 stattfindet, als russische Armee von Ivan des Schreklichen Kasan einnahm, gesprochen. Tatarische Elite vermeidet zunehmend die Unterschiede ihrer ethnischen Gruppe zu den anderen Gruppen und zu der russischen Majorität hervorzuheben. Der heutige Diskurs liegt eher in der Hervorhebung des tatarischen ethnischen Elementes bei der Entwicklung des Konzept einer Multiethnischen Gesellschaft in der russischen Föderation.
Während der 1000- jährigen Feier der Stadt Kasan im August 2005 botonte der Präsident Tatarstans Mintimer Schaimijew (Shaymiev) in seiner Rede:
“Unsere Republik war immer schon für den hohen Grad an zivilem Konsens, interethnischer und interkonfessioneller Toleranz bekannt. (…) Im multinationalem Tatarstan kann man jegliche notwendige Konditionen für das Funktionieren ethnisch- kultureller Organisationen vorfinden.”
Woher kommt denn solch eine Sicherheit?
Tatarstan hat eine relativ stabile Tradition der Autonomie innerhalb der Russischen Föderation. Die Stärkung der ethnischen Identität der Tataren, ihrer kulturellen Identität und die Rolle ethnischer Eliten überschnitt sich mit der Perestroika Periode in der Sowjetunion der 80er. Als Resultat deklarierte Tatarstan seine Souverinität zusammen mit Tschetschenien in 1992. Doch im gegentil zur politischen Elite Tschetscheniens, verstand die Tatarische politische Führung bewaffnete interethnische Zusammenstöße zu verhindern und Ihre Politik an die sich schnell ändernde Konditionen anzupassen.
(…)
Paul Becker/ gusnews
Crosslinks:
- Analysen: Interethnische Beziehungen in der Russischen Föderation am Beispiel von Tatarstan 2. Teil







