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Heute am 19. Mai 08 wird der neue Präsident Turkmenistans Gurbanguly Berdymuhammedow mit einer offiziellen Visite in der Hauptstadt Aserbaidschans Baku erwartet. Dieses Treffen eröffnet ein neues Stadium in den Beziehungen beider Länder, die mehrere Jahre sich in politischer Konfrontation befanden. Die Annäherung beider Länder könnte sowohl von großer regionaler, als auch internationaler Bedeutung sein.

Viele Experten sind der Meinung, dass die zentralen Fragen, die beim Treffen der beiden Präsidenten erläutert werden, die der Energieträger, der Aufteilung des Kaspischen Meeres und der Bau des Transkaspischen Gaspipeline sind. Baku-Tblisi-Erzurum Pipeline, die eventuell nach Turkmenistan verlängert wird und den turkmenischen Gas Richtung Europa bringen könnte ist das Thema, welches für Europa von besonderer strategischer Bedeutung ist, da es die Hoffnung auf Nabucco- Pipeline wieder erwecken kann. Das Projekt Nabucco war zu seiner Zeit unter den 5 wichtigsten Energieprojekten Europas und sollte die Energiezulieferung diversifizieren und die Energieabhängigkeit Europas von Russland verringern.

Doch seit dem Austritt der französischen Gaz de France aus dem Nabucco Projekt und der erfolgreichen Politik Russlands in der zentralasiatischen Region bzw. einem russischen Projekt South Stream, welches Österreich, Ungarn und Bulgarien vorerst als mehr erfolgsversprechend erscheint, als die Nabucco Pipeline.

© energytribune.com

Im Mai dieses Jahres unterzeichneten Russland und Griechenland einen Vertrag über den Bau des „South Stream“ (????? ?????). Dieses Projekt sieht den Bau einer Gaspipeline am Boden des Schwarzen Meeres von der Kompressorstation „Beregowaja“ (?????????) in Krasnodarer Gebiet bis nach Varna in Bulgarien und von dort weiter nach Süd und Mitteleuropa. Das jährliche Durchlassvolumen der Pipeline beträgt 30 Milliarden Kubikmeter Gas. Der Bau beginnt voraussichtlich in 2008/ 2009, die Fertigstellung ist für 2013 geplant. Griechenland baut zusammen mit Bulgarien und Russland momentan auch eine Burgas-Alexandroupolis-Ölpipeline, die den Transport des Öls am Bosporus vorbei gewährt. Doch jeder dieser russischen Projekte hat auch scharfe Konkurrenten. In 2007 begann die Türkei den Bau der Samsun- Dschejchan Pipeline, die das Öl auch am Bosporus vorbei, nach Europa bringen soll. Als Alternative zu dem russischen „South Stream“- Projekt gilt die europäische Idee der Nabucco Pipeline. Turkmenistan seinerseits erwägt den Bau des White Streams über das iranische Territorium in die Häfen des Indischen Ozeans.

© eni.it

Doch wenn die Verhandlungen Alijews mit Berdymuhammedow erfolgreiche verlaufen sollten, dann hat das Nabucco Projekt vielleicht doch noch eine Chance.

Denn bis Heute waren die Beziehungen der beiden Länder nicht gerade freundschaftlich. Die letzte Visite des turkmenischen Präsidenten in Aserbaidschan (damals noch Saparmurat Nijasow, genannt Turkmenbaschi: Vater aller Turkmenen) liegt 12 Jahre zurück. Die Ursache dafür lag im Streit um den Serdar- Ölfeld, welches von beiden Ländern beansprucht wurde. Außerdem war Turkmenistan mit der Aufteilung des Kaspischen Meeres durch Russland, Aserbaidschan und Kasachstan nicht einverstanden. Der unnachgiebige Charakter Turkmenbaschis spielte auch eine Rolle. So sagte er in einem Interview am 22. Januar 1997 gegenüber der „Financial Times“ Turkmenistan besitzt die Rechte an Serdar- Ölfeld und weiteren Ölfeldern im Kaspischen Meer. Im Sommer 2001 wurde der turkmenische Botschafter aus Aserbaidschan abberufen und in 2002 sagte er schließlich während eines Summits der fünf Präsidenten kaspischen Anrainerstaaten zum damaligen Präsidenten Aserbaidschans Geidar Alijew, dass es „am Kaspischen Meer nach Blut riecht“.

Seit dem Machtantritt Berdymuhammedows verbessern sich die Beziehungen beider Länder zusehends. Im Januar dieses Jahres wurde die Schuld Aserbaidschans für die turkmenischen Gaslieferungen Anfang der 90er beglichen und die turkmenische Botschaft in Baku öffnete wieder ihre Pforten.

Der Bau einer Gaspipeline am Boden des Kaspischen Meeres von Turkmenistan nach Aserbaidschan würde in heutigen Preisen voraussichtlich rund 12 Mrd. $ kosten und ein Durchlassvolumen von 22 Milliarden Kubikmeter im Jahr haben.

Die Partnerschaftsentwicklung mit den Nachbarländern ist die erklärte Politik turkmenischer Regierung für den Zeitraum 2008- 2012. Dazu zählt auch Aserbaidschan. Das ist auch nicht verwunderlich, da die neue Regierung die „Politik der Variabilität von Auslieferungen turkmenischer Energieträger auf den Weltmarkt“.

Ob die turkmenischen Gasreserven für eine solche Variabilität ausreichend sind lässt sich momentan schwer sagen, da es bis heute noch keine öffentlich publizierter Audit existiert. Die turkmenische Regierung behauptete bei einer neulich, das Land verfügt über 24,6 Billionen Kubikmeter Gasreserven, während „British Petroleum“ nennt eine viel bescheidenere Zahl von 2,9 Billionen Kubikmeter.

Das größte Problem Turkmenistans ist aber nicht das Fehlen der Ressourcen, sondern das Fehler der Investitionen. Deswegen versucht die turkmenische Regierung diese in den Energiesektor des Landes anzulocken. Turkmenistan zeigt den potentiellen Investoren, dass es offen spielt. Deswegen stimmte das Land einem unabhängigen Audit des South Iolotan Gasfeldes zu, welcher von „Gaffney Cline Associates“ durchgeführt wird. Die Reserven dieses Feldes gehören nach Meinung der turkmenischen Regierung zu den viertgrößten in der Welt.

Quelle: fergana.ru

Übersetzung: Paul Becker/ gusnews

Crosslinks:

- Wie sollte sich die westliche Welt gegenüber den “Demokratien” Zentralasiens verhalten?
- Eine neue Chance für die Nabucco-Pipeline?
- China National Petrouleum importiert aus Turkmenistan Gas
- China und Turkmenistan unterzeichnen Energiebkommen

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