Georgien am Tag 5 nach dem Ausbruch des Krieges

Veröffentlicht am 12 August 2008 von Paul Becker


Gestern Abend marschierten russische Truppen in die georgische Stadt Senaki 40 Killometer von der abchasischen Grenze entfernt. Nach den Worten der russischen Millitärs führten sie dort präventive Maßnahmen durch: “Russische Friendenskräfte führen Maßnahmen durch, deren Ziel es ist, den Beschuss Zchinvalis und die Umgruppierung georgischer Truppen, die Zchinvali wieder angreifen könnten, nicht mehr zuzulassen.”- so die russische Militärführung.Im Laufe des Abend zogen die russischen Truppen sich aus Senaki zurück.

Heute Morgen bombardierte ein russischer Kampfjet erneut die georgische Stadt Gori nicht weit von der Grenze zu Südossetien. Es gibt immer noch Kämpfe zwischen georgischen und russischen Truppen südlich von Zchinvali, jedoch ziehen sich Georgier aus dieser Region zurück, um die Verteidigung Tbilisis zu organisieren, wie es hieß.

Um 08:18 Berliner Zeit begannen die Abchasischen Truppen die Verdrängungsoperation georgischer Truppen aus der geographisch zu Abchasien gehörenden Kodory Felsschlucht, die von den georgischen Truppen in 2006 “von den Separatisten befreit wurde”. Dieser Operation ging ein Ultimatum der abchasischen Führung an die georgische Militärführung, die Felsschlucht durch einen eigens dafür von den abchasischen Truppen errichteten “Humanitären Korridor” zu verlassen. Georgische Seite lehnte dies jedoch gestern ab und teilte mit ihre Truppen seien keinesfalls umzingelt, mehr noch sie habe alle Attacken bislang erfolgreich abgewehrt.

Wie die russische Militärführung mitteilte, beteiligen sich russische Friedenskräfte nicht an der Operation. Zur Erinnerung gingen dieser Operation massiver Artilleriebeschuss und Bombardierungen seitens der Abchasier und russischer Friedenskräfte voran. 250 abchasische Fallschirmjäger landeten in der Umgebung von Tschchalta Dorfes und lieferten sich verbissene Kämpfe mit den georgischen Truppen.

Foto: apsny.ge

Abchasien erklärte sich sofort nach dem Ausbruch der Kämpfe in Südossetien berei, die “Zweite Front” zu eröffnen. Der Präsident der Nichtanerkannten Republik Abchasien Sergey Bagapsch versicherte, dass die Operation in Kodory Felsschluchtin wenigen Tagen abgeschlossen sein wird. Und bereits nach 2 ½ Stunden weiht bereits abchasische Fahne im administrativen Zentrum der Kodory Felsschlucht in Azhara.

Das Dorf Azhara war administratives Zentrum der “georgischen Regierung im Exil”- einer progeorgischen Struktur, welche die Legitimität der Führung in Suchumi (Hauptstadt der Nichtanerkannten Republik Abchasien. Anm. von GUS- News) anfocht. Der Verbleib der Mitglieder dieser Regierung ist zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, ob sie bei den Kämpfen umgekommen, gefangengenommen worden sind, oder sich nach Tbilisi absetzen konnten lässt sich zur Zeit schwer einschätzen.

Georgischer Regierungschef Wladimir Gurgenidse sagte in einem Fernsehinterview, er sei enttäuscht über die Tatenlosigkeit der westlichen Partner Georgiens, die nach seinen Worten “Die Aggression Russlands gegenüber Georgien” nicht aufhalten konnten – berichtet die Presseagentur Interfax. Er forderte auch den Sicherheutsrat der UNO “Effektive Maßnahmen gegenüber der Aggression zu ergreifen, gegenüber denen, die von der internationalen Gemeinschaft bis jetzt ergriffen worden sind” auf. Nach seinen Worten “marschierten die russischen Okkupationskräfte” bereits in die westlichen Regionen Georgiens ein.

Der ständige Vertreter Russlands in der UNO Witaliy Tschurkin sagte gegenüber den Journalisten, Russland werde die Französische Resolution über den Konflikt in Südossetien nicht annehmen, da sie einer ernsten Ausbesserung bedarf. Er betonte dabei, dass es in der Resolution bislang kein einziges Wort über die georgische Aggression und Verbrechen steht.

Der US- amerikanische Präsidentschaftskandidat der Demokraten Barak Obama verurteilte unterdessen die “Russische Aggression”. Er sagte in einem Interview zu CNN:

“No matter how this conflict started, Russia has escalated it well beyond the dispute over South Ossetia and invaded another country”

Senator John McCain, ein Präsidentschaftskandidat der Republikaner sagte bereits am 08. August in einem Interview zu CNN:

“Russia should immediately and unconditionally cease its military operations and withdraw all forces from sovereign Georgian territory…”

Er verlor also kein Wort darüber, wer den Krieg vom Zaun gebrochen hat, während Obama indirekt Georgien die Schuld zugewiesen hat.

Der ehemalige sowjetische Regierungschef Michail Gorbatschow veröffentlichte in der Washington Post einen Artikel unter dem Namen “A Path to Peace in the Caucasus”, in dem er die Schuld eindeutig der georgischen Regierung zuschreibt:

What happened on the night of Aug. 7 is beyond comprehension. The Georgian military attacked the South Ossetian capital of Tskhinvali with multiple rocket launchers designed to devastate large areas. Russia had to respond. To accuse it of aggression against “small, defenseless Georgia” is not just hypocritical but shows a lack of humanity.

Mounting a military assault against innocents was a reckless decision whose tragic consequences, for thousands of people of different nationalities, are now clear. The Georgian leadership could do this only with the perceived support and encouragement of a much more powerful force. Georgian armed forces were trained by hundreds of U.S. instructors, and its sophisticated military equipment was bought in a number of countries. This, coupled with the promise of NATO membership, emboldened Georgian leaders into thinking that they could get away with a “blitzkrieg” in South Ossetia.

In other words, Georgian President Mikheil Saakashvili was expecting unconditional support from the West, and the West had given him reason to think he would have it. Now that the Georgian military assault has been routed, both the Georgian government and its supporters should rethink their position.

Die Lösung des Konflikts liegt seiner Meinung nach in seiner seit Langem formulierten Idee eines föderativen Georgiens und eines breiten Autonomiestatus für Abchasien und Südossetien, das durch ein Sicherheitssystem (kontrolliert durch internationale Gemeinschaft) gewährleistet wird, welches jegliche Provokationen unterbinden kann. Er ging in seinem Bericht auch auf die besonderen historischen Interessen Russlands in der Region.

Das Untersuchungskommitee der russischen Staatsanwaltschaft begann mittlerweile das Sammeln der Beweismaterialien georgischer Verbrechen in Südossetien, teilte die vesti.ru mit.

Der russische Außenminister Sergey Lawrow sagte in einer Pressekonferenz nach dem Treffen mit seinem finnländischen Kollegen und Vorsitzenden der OSZE Alexander Stubb, georgische Regierung habe jegliches Vertrauen verspielt.

Nach den Worten Lawrows liegt die Verantwortung für die Beschlussfassung einer Aggression gegen Südossetien gänzlich bei der georgischen Regierung. “Mehr als 2000 Menschen sind gestorben. Alles ethnische Ossetier und die Mehrheit von Ihnen Russische Staatsbürger. Zchinvali und andere Ortschaften sind komplett zerstört. Es geht hier um ethnische Säuberungen und Genozid” unterstrich Lawrow.

Russland verfolge keine anderen Ziele als Friedensherstellung und Sicherung der Lebensbedingungen des südossetischen Volkes. “Russische Handlungen in Südossetien fallen unter den §51 der UNO- Charta, die individuelle und kollektive Selbstverteidigung regelt”- sagte er, daran erinnert, dass “unsere (russische) Soldaten angegriffen worden sind”.

Paul Becker für GUS- News

Crosslinks:

- Krieg in Ossetien: Tag 4
- Krieg in Ossetien: Tag 3
- Die Zeit für den Angriff wurde mit Bedacht ausgewählt
- Georgien verlegt Truppen an die Grenze zu Abchasien
- Russland nahm mehr als 30 000 ossetinische Flüchtlinge auf
- Krieg in Südossetien
- Südossetien: Kosovo ist ein Präzedenzfall, den Alle befürchten
- Konflikte: Abchasien lehnte den deutschen Plan zur Regelung des georgisch- abchasischen Konfliktes ab
- Konflikte: Russlands Eisenbahntruppen marschieren in Abchasien ein.
- Sollen Abchasien und Südossetien von Russland anerkannt werden?

Einfügen bei:
  • Digg
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print
  • Technorati
  • Webnews.de
  • Wikio
  • email
  • LinkedIn
  • PDF
  • RSS
  • Twitter
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg
Diesen Artikel ausdrucken Diesen Artikel ausdrucken

2 Kommentare für diesen Artikel

  1. foreignmember Says:

    Ein unerträglicher Zustand! Frau Merkel streut jetzt noch zusätzliches Salz in die Wunde. Aus welchem Grund spricht Frau Merkel sich für einen NATO-Beitritt von Georgien aus? Es liegt doch auf der Hand, dass dieses Vorhaben ein sehr gefährliches Unterfangen ist. Wozu dieses Säbelrasseln?!

  2. Gerd Says:

    Die erfolgreiche militärische Aktion Russlands gegen den faschistischen, von den USA und anderen Ländern, darunter auch Deutschland (lieferte Gewehre z. B.) hochgerüsteten Aggressor wird das internationale Ansehen Russlands stärken.
    Diese Aktion, die einem Massenmorden in Südossetien und Abchasien zuvorgekommen ist, steht in einem vielsagenden Kontrast zur Rolle der holländischen Nato-Soldatne, die das Massaker von Screbreniza zuließen, zu dem Verhalten französischer Truppen in Ruanda, wo ein Völkermord begangen wurde.

    Die Haltung der Bundesregierung ist beschämend. Die voreilige Parteinahme für den Aggressor Saakaschwili zeigt, dass die Bundesregierung inzwischen zu einer imperialistischen und aggressiven Macht geworden ist, die überall in der Welt ‘Freiheit und Demokratie’ glaubt, ‘verteidigen’ zu müssen.

2 Trackbacks Für Diesen Artikel

  1. Global Voices Online » Georgia War in Initial Retrospective sagte:

    [...] presents (GER) a retrospective of developments in the Russo-Georgian crisis in the last few days, with an [...]

  2. Medwedjew: Operation zur Erwingung des Friedens erfolgreich beendet | GUS- News sagte:

    [...] in Südossetien – Georgien am Tag 5 nach dem Ausbruch des Krieges – Krieg in Ossetien: Tag 4 – Krieg in Ossetien: Tag 3 – Die Zeit für den Angriff wurde mit Bedacht [...]

Einen Kommentar hinterlassen

Advertise Here
Advertise Here

Publikationen



This Blog in English


Partnerseiten


Statistik:



Umfragen

Welcher von den nachfolgenden PräsidentInnen ist der älteste?

View Results

Loading ... Loading ...

Kategorien