Russland: Geld, Arbeit und Menschen in der Finanzkrise

Veröffentlicht am 13 Februar 2009 von Paul Becker


Der Gesamtrussische Zentrum zur Untersuchengen der öffentlichen Meinung (WCIOM) führte eine landesweite Umfrage bezüglich der Lage von Unternehmen, Arbeitslosigkeit, Möglichkeit Kredite aufzunehmen und größere Anschaffungen in den Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise zu machen.

58% der Befragten gaben an, dass das Thema der Arbeitslosigkeit aktiv in ihrer Umgebung diskutiert wird, 16% gaben an diese Gespräche werden zwar in ihrem Kreis geführt, sie beteiligten sich aber nicht an diesen und nur 25% der Befragten gaben an, dass solche Gespräche ihnen unbekannt sind.

© gusnews

Was bedeuten diese Zahlen eigentlich? Auf der einen Seite sehen wir, dass der Anteil der Menschen, die sich mit dem Thema der möglichen Arbeitslosigkeit auseinandersetzen, gestiegen ist. Gleichzeitig steigt aber auch der Anteil der Menschen, die sich an solchen Diskussionen nicht (mehr?) beteiligen. Wir wissen nicht, ob sie resigniert haben, oder ob die Arbeitslosigkeit ihnen nicht (mehr) droht.

Nächste Frage widmete sich der Lage in den Betrieben. Die Frage an die Respondenten lautete: Ist eine Verschlechterung der Lage ihres Betriebes/ Firma in den nächsten 3 Monaten möglich? Folgende Antworten kamen dabei heraus:

© gusnews

52% der Respondenten sind der Meinung, die wirtschaftliche Lage in ihrem Betrieb/ Firma könnte, oder wird sich in den nächsten 3 Monaten verschlechtern. (Vor einem Monat waren es och 69% der Befragten). 26% der Befragten sind der Meinung es sei eher unwahrscheinlich (gegenüber den 10% im Vormonat) und schließlich 15% der Respondenten sagten aus, es sei praktisch unmöglich.

Wiederum wissen wir nicht genau wie diese Antworten zu deuten seien. Ist es ein positiver Trend? Oder sagen 15% der Beschäftigten, die Lage sei schon so katastrophal, dass es schlechter nicht mehr sein kann?

Auch die nächste Umfrage lieferte meiner Meinung nach wenig erfreuliche Ergebnisse, nämlich die Umfrage über die möglichen Entlassungen. Insgesamt 1600 Menschen aus 140 Ortschaften wurden gefragt: Besteht die Möglichkeit Ihrer Entlassung? Folgende Antworten wurden erzielt:

© gusnews

15% der Befragten sind sich sicher sie werden demnächst gekündigt, weitere 37% schließen diese Möglichkeit nicht aus und nur 16% der Befragten in dieser repräsentativen Umfragen waren sich ihres Jobs sicher. Eine tiefe Verunsicherung herrscht in der russischen Bevölkerung.

Die Zahl von Menschen, deren Löhne gekürzt wurden, stieg von 8% im Dezember 2008 auf 14% im Januar 2009. Somit steigt die Möglichkeit einer Verarmung breiter Schichten der Bevölkerung.

Auch der Anteil der Befragten, die sich sicher sind, im Falle einer Kündigung eine adäquate Alternative zu ihrem Job zu finden fiel im Vergleich zu der Umfrage im Dezember letzten Jahres.

© gusnews

Wie man sieht rechnen immer weniger Russen damit, eine adäquate Alternative zu ihrem Job zu finden.

Immer mehr Russen sind der Meinung, es ist schlechte Zeit, um einen Kredit aufzunehmen (Diese Zahl wuchs von 58% im letzten Jahr auf 71% im Januar dieses Jahres).

Bei der Frage über die größeren Anschaffungen zeigten sich die Respondenten etwas optimistischer. Insgesamt 35% sind der Meinung momentan sei die beste Zeit neue Anschaffungen zu machen, 44% der Befragten waren gegenteiliger Meinung. Es mag gut sein, dass die Preise für Immobilien und andere Wert- und Konsumgegenstände momentan niedriger sind, als in den letzten Jahren, doch bezweifle ich ganz stark, dass sich die meisten etwas leisten können. Was momentan abläuft ist eine Art von Konzentration von Kapital. Die, die Geld haben, können es sehr gut vermehren, der Rest der Bevölkerung schaut in die Röhre.

Ich bezweifle, ob der Gini- Koeffizient Russlands, das in den letzten Jahren so mühsam auf die Werte um die 0,35 abgesenkt worden ist, auf diesem Niveau zu halten wäre.

Paul Becker für GUS- News

Quelle: WCIOM

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