Russland in Zahlen: Bevölkerung

Gliederung:

  1. Bevölkerungsanzahl im Zeitraum 1990 – 2006
  2. Stadt- und Landbevölkerung
  3. Korrelation zwischen Männern und Frauen
  4. Altersgliederung der Bevölkerung
  5. Veränderung der Bevölkerungszahl
  6. Zuwachskoeffizienten der Bevölkerung
  7. Lebenserwartung bei der Geburt
  8. Eheschließungen und Scheidungen
  9. Migrationszuwachs

1. Bevölkerungsanzahl im Zeitraum 1990 – 2006

Bevölkerungsanzahl (Am Ende des Jahres in 1000)

(hier und weiter: Grafiken © gusnews. Für größere Auflösungen bitte auf die Grafiken klicken)

Wie man Anhand dieser Grafiken erkennen kann, schrumpfte die Bevölkerung Russlands (trotz der enormen Migrationszuwächse der 90er Jahre, ausgehend aus den ehemaligen Sowjetrepubliken) seit 1990 um mehr als 6 Mio. Einwohner. Die Ursachen dafür lagen und liegen an der hohen Mortalitätsrate, insbesondere bei Männern und an der niedrigen Fertilitätsrate des Umbruchsjahrzehnt nach dem Zerfall der Sowjetunion.

2. Stadt- und Landbevölkerung

Bevölkerung (Am Ende des Jahres in %)

Die Untersuchung der Stadt-, Landbevölkerungsstruktur lässt darauf schließen, dass Russland ein moderner Industriestaat ist. Knapp ¾ der Bevölkerung lebt in den Städten. Interessant ist meiner Meinung nach die Stabilität der Korrelation. Seit knapp 20 Jahren verändert sich die Zusammensetzung der Stadt-, Landbevölkerung nur minimal und schwankend. Zum Einen ist es auf das noch aus der Sowjetzeit stammende Prinzip der Anmeldepflicht in den Städten (geht nur im Zusammenhang mit dem Erwerb einer Wohnfläche) und zum Anderen wahrscheinlich mit der größe des Landes und der Abgeschiedenheit großer Teile des Landes, die kaum neuen Zuzug an Menschen fördern (eher umgekehrt) und somit den zahlenbedingten Aufstieg der Dörfer zum Stadtstatus entgegenwirkt, einher.

3. Korrelation zwischen Männern und Frauen

(Auf 1000 Männer kommen … Frauen)

Ein eindeutiges Indiz für hohe Sterblichkeit unter russischen Männern. Die Anzahl der Frauen auf 1000 Männer nimmt seit 1990 stetig zu. Über die Gründe dieser Entwicklung werde ich im Punkt 7 schreiben.

4. Altersgliederung der Bevölkerung

(In % zu der Gesamtbevölkerung)

Anhand dieser Statistiken ziehe ich folgende Schlüsse:

a) Insgesamt eine Alterung der Bevölkerung

b) Niedrige Geburtenzahl

c) Hohe Streblichkeit

d) Ab 2000 steigende Zahl der Erwerbsfähigen Bevölkerung als Folge der neuen Rentengesetze

5. Veränderung der Bevölkerungszahl

(Zuwachs pro Jahr in %)

Eine eindeutige Abnahme der Bevölkerungszahl, der die Regierung entgegenzuwirken versucht (s. Kindergeld in Russland und Zahlungen für die Neugeborenen)

6. Zuwachskoeffizienten der Bevölkerung

Der natürliche Zuwachs der Bevölkerung ist in Russland nun seit über einem Jahrzehnt negativ. Die einigermaßen stabile Zahl der Bevölkerung in Russland (Verringerung seit 1990 um “nur” 6 Mio.) ist auf die hohe Einwanderung der 90er Jahre zurückzuführen. Desweiteren muss beachtet werden, dass es Unterschiede in der Mortalität gibt. Während die russische Bevölkerung eine niedrige Fertilitätsrate aufweist, wächst teilweise sogar die Bevölkerung in Dagestan, Tatarstan, Baschkorkostan usw. Doch daraus sollten keine Xenophoben schlüsse gezogen werden, wie z.B. die Russen sterben aus, oder in 30 Jahren gibt es kaum noch Russen in Russland etc. Russen stellen immer noch über mehr als ¾ der Bevölkerung in Russland.

7. Lebenserwartung bei der Geburt

Auffallend große Unterschiede gibt es bei den Lebenserwartungen der Frauen und Männer in Russland. Während Frauen mit 73 Jahren “Industriestaatenwerte” bei der Lebenserwartung bei der Geburt erreichen, könnten die Werte für Männer von einem Entwicklungsland stammen. Woran liegt das? Warum leben Männer statistisch gesehen nicht so lang in Russland? Es gibt meiner Meinung nach 3 wichtigste Gründe dafür:

a) Alkohol – seit dem Zerfall der Sowjetunion besitzt der Staat in Russland kein Monopol auf die Alkoholproduktion mehr, was dazu geführt hat, dass die Alkoholproduktion kaum noch kontrolierbar ist und insbesondere in den 90er Jahren es eine Menge an Surrogat an die Märkte gelang (teilweise Industriesprit) und zu zahlreichen Vergiftungen führte. Und da statistisch gesehen der Alkoholkonsum bei den Männern höher liegt als bei den Frauen, so gab es auch mehr Opfer der Alkoholmafia bei der männlichen Bevölkerung.

b) Selbstmord – Die Selbstmordrate bei Männern (insbesondere bei jüngeren im Alter von 25 – 39) ist seit dem Zerfall der Sowjetunion rapide gestiegen. Ich denke, dass das mit der verzweifelten Lage vieler Familien einherging. Der Mann wird in allen patriarchalischen Gesellschaften seit eh und je als Ernährer begriffen und muss dieser Rolle auch gerecht werden. Ich möchte hier keine emanzipatorische Diskussion anstoßen, ich konstatiere nur die Fakten. Der Mann ist ein Jäger und jagt die Beute, die Frau kümmert sich um den Lager. Das die Rollen sich verändern ist nicht der Gegenstand dieser Untersuchung.

Auch in Russland gab und gibt es diese Rollenteilung. Seit dem Zerfall der Sowjetunion und breitflächigen Arbeitslosigkeit, Verunsicherung und Existenzängsten begannen schwere Zeiten für die meisten Familien. Die Sorge vieler Eltern, sie können am Abend nichts auf dem Tisch haben (was auch oft der Fall war) ließ breite Teile der Bevölkerung in Apathie und Depressionen verfallen. Auswegslosigkeit und damit einhergehender Alkoholmissbrauch führen zu den vielen Selbstmorden unter den Männern. Ob das ein Beweis für das stärkere Geschlecht der Frauen ist, sei jetzt dahingestellt.

c) Kriege und Konflikte – Auch die vielen Kriege und Konflikte, in die Russland seit dem Zerfall der Sowjetunion verwickelt war und ist fordern ein hohes Tribut an jungen Soldatenleben. Aber auch die Auseinandersetzungen der organisierten Kriminalitätsstrukturen in den 90er Jahren forderten viele Menschenleben.

8 . Eheschließungen und Scheidungen

(auf 1000 Einwohner)

Verhältnis der Eheschließungen und Scheidungen (auf 1000 Eheschließungen kommen … Scheidungen)

Die hohe Scheidungszahl in Russland ist meiner Meinung nach auf den mangelnden Wohnraum zurückzuführen. Viele junge Menschen heiraten mit 18- 19 Jahren, weil sie keinen Platz haben, wo sie sich treffen können und hoffen, dass die Eltern ihnen eine Wohnung kaufen werden. Natürlich spielt Liebe die größte Rolle, das streite ich nicht ab. Doch öftern muss die neue Familie mit den Eltern/ Schwiegereltern unter einem Dach leben, das da die Streitigkeiten und Reibereien vorprogrammiert sind ist verständlich. Und so lassen sich viele junge Pärchen nach 1 – 2 Jahre Ehe wieder scheiden, weil zu dem Zeitpunkt die Liebe verflogen ist, man aber im Allgemeinen noch nicht gelernt hat Rücksicht auf den Umfeld zu nehmen (Eltern/ Schwiegereltern, die unter einem Dach leben). Das erklärt auch die hohe Zahl alleinerziehender Mütter in Russland.

9. Migrationszuwachs

(auf 10000 Einwohner kommen am Ende des Jahres .. Migranten hinzu)

Migrationströme (in % der migrierenden Bevölkerung)

Zwei Sachverhalte werden an dieser Stelle für mich sichtbar:

a) Die große Migrationswelle aus den ehemaligen Sowjetrepubliken endete Mitte der 90er Jahre und der Migrationszuwachs pendelte sich auf der langfristigen Verlaufslinie ein. Desweiteren ist der Aufwährtstrend seit 2005 zu verzeichnen, das hängt meiner Meinung nach mit der Verknappung der Arbeitsressourcen in Russland bei der gleichzeitigem Aufwärtstrend der Wirtschaft. Das veranlasste die Regierung ihre Migrationspolitik zu überdenken. Einen interessanten Artikel darüber können Sie hier lesen. Außerdem steigt die Einwanderung aus China in die Fernöstlichen Regionen Russlands. Das Alles brachte dieses erneute Migrationswachstum nach Russland zustande.

b) Die Anzahl der Auswanderer, die dem Land den Rücken kehren, verringert sich seit 2000 stetig. Das ist auf die einsetzende Konjuktur in Russland zurückzuführen. Gleichzeitig wird dieser Trend von der steigenden Zahl der Immigranten aus dem Ausland untermauert.

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