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Stellvertretender Minister für Gesundheit und Soziales – Anteil der Armen in Russland auf 15 Prozent geschrumpft

Veröffentlicht am 06 Februar 2010 von Paul Becker

Die russische Presseagentur Ria Novosti veröffentlichte Am Donnerstag, den 04. Februar folgenden Artikel:

Der Anteil der einkommensschwachen Bevölkerung in Russland ist in den zurückliegenden zehn Jahren von 29 auf 15 Prozent zurückgegangen. Das stellte Juri Woronin, Stellvertretender Minister für Gesundheit und Soziales, in der 48. Tagung der UNO-Kommission für soziale Entwicklung im New Yorker UNO-Hauptquartier fest.

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Wo Herr Woronin diese Zahl hernahm ist mir wirklich ein Rätsel, denn laut den aktuellsten Angaben von Goskomstat betrug der prozentuelle Anteil von Menschen in der Russischen Föderation, deren Einkommen unterhalb der Armutsgrenze lagen, im ersten Quartal 2009 noch 17,4% der Gesamtbevölkerung der Föderation, also rund 24,5 Millionen.

Entweder handelt es sich bei dieser Zahl um ein Wunschdenken von Herrn Woronin, oder die russische Statistikbehörde weiß Sachen nicht, die Herr Woronin weiß.

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Analysen: Rente und Rentner in Russland seit 1991 4. Teil

Veröffentlicht am 26 August 2009 von Paul Becker

Geldausgaben von Rentnern

Im November 1998 gab es nach den RLMS- Daten folgende Verteilung der Geldausgaben aller befragten Familien (Arbeiter, Angestellten, Rentner):

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RLMS liefert leider keine Daten zur der Verteilung von Geldeinkommen der Rentnerfamilien, jedoch kann man davon ausgehen, dass die Ausgaben der Rentner bei den Nahrungsmitteln und Brennstoffen etwas kleiner als die aller Familien ausfielen, weil die Rentnerfamilien lediglich aus 1 oder 2 Personen bestehen und die Ansprüche der Rentner viel geringer sind als bei der Alterskohorte 25- 55. Die geringeren durchschnittlichen Mittel, die den Rentner zur Verfügung stehen, glichen dann die Zahlen aus, so dass prozentuell gesehen beide Gruppen ca. 65- 70% ihres Einkommens in Nahrungsmitteln und Heizmaterial investierten. Das wiederum ist ein eindeutiges Zeichen für eine arme Gesellschaft.

Der Anteil der Wohnungsmiete und der Kommunalabgaben dürfte bei den Rentnern geringer ausfallen, da sie zum einen meist über Eigentumswohnungen verfügten und zum anderen oft von den Kommunalabgaben befreit waren. Diese Situation änderte sich in diesem Jahr mit dem Ukas des Präsidenten, die Vergünstigungen der Rentner abzuschaffen und sie durch Geldleistungen zu ersetzen. Jedoch in der von mir untersuchten Zeitspanne lagen die Ausgaben der Rentnerfamilien für Wohnungsmiete und Kommunalabgaben deutlich unter dem Prozentsatz aller von RLMS untersuchten Familiengruppen.

Der Anteil der Geldausgaben an der Ersparnisbildung dürfte bei den Rentnern etwas höher als bei der übrigen Bevölkerung ausgefallen sein. Diese These lässt sich ganz einfach mit der Mentalität der russischen Rentner untermauern. Sie setzen keine Erwartungen in die Regierung und verlassen sich nur auf sich selbst und die bestehenden sozialen Netzwerke. Unter den russischen Rentner ist die Ersparnisbildung „Na cernij den´ „, also „Für die schlechteren Tage“, oder „Na pohorony“, „Für das eigene (anständige) Begräbnis“, weit verbreitet. Auch wenn vielleicht die absoluten Zahlen niedriger als bei der arbeitenden Bevölkerung ausfallen, ist der prozentuelle Anteil der Ersparnis an den Gesamtausgaben eindeutig höher als bei den anderen untersuchten Bevölkerungsgruppen.

Der Anteil an sonstigen Ausgaben unterscheidet sich nicht gravierend von dem der anderen Bevölkerungsgruppen. Jedoch die Zusammensetzung diesen weicht eindeutig, von dem der arbeitenden Bevölkerung, ab. Laut dem „Monitoring economic conditions in the Russian Federation“* vom März 1999, verfasst durch den T. Mrotz und B. Popkin hatten die Rentner in den letzen 30 Tagen folgende Ausgaben, die sicher zu den sonstigen gehören:

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Wie man an diesem Diagramm sieht ging der Löwenanteil an den sonstigen Ausgaben der Rentner, nämlich 67% an Befriedigung der medizinischen Bedürfnisse der Rentner. Die Kosten für die ärztliche Behandlung und Medikamente sind in Russland fast gänzlich selbst zu entrichten. Lediglich ein Paar kostenlose Sprechstunden in den Polikliniken sind als Überbleibsel aus den Sowjetzeiten übrig geblieben. Für stationäre Behandlungen muss man auf die Eine oder Andere Art dann selbst aufkommen. Eine funktionierende Krankenversicherung gab es nicht. Und so müssen die Rentner, die von der erwachsenen Bevölkerung, statistisch gesehen, am häufigsten krank sind, einen großen Teil ihres so wie so schon bescheidenen Einkommens für medizinische Versorgung ausgeben. Und wenn man bedenkt, dass sonstige Ausgaben 198,8 Rubel einer durchschnittlichen Rente ausmachten und der medizinische Anteil bei rund 133,2 Rubel / Monat. also rund 4,1€ lag, so lässt es sich auch daraus ganz leicht der klägliche Zustand der russischen Ärzte und Krankenschwester ableiten.

Für einen Theaer-, Konzertbesuch oder eine andere Freizeitgestaltung gaben die russischen Rentner Anfang 1999 nur ca. 2 Rubel/ Monat aus. Der Zugang zur höheren Unterhaltung blieb also den meisten Rentnern verschlossen, was für die ehemaligen kulturverwöhnten Sowjetbürger unerträglich sein muss. Die Karten für die Vorstellungen, oder ein Besuch im Restaurant oder Cafe blieb für die meisten ein Traum. Auch die Ausgaben für Kindergärten, kostenpflichtige Schulen (meistens handelt es sich dabei um Zeichen- und Musikschulen für die Enkelkinder) und Klubs (z.B. Chorvereine) verbuchten in der Rentenkasse 2 Rubel/ Monat. Wobei es sich bei den Kindergärtenausgaben und Ausgaben für die kostenpflichtige Schulen um einen freiwilligen Beitrag handelt. Da liegt die Hauptlast auf den Schultern der Eltern. Jedoch wird die geistige Verarmung der Gesellschaft bei dem Kulturteil ganz deutlich dargelegt.

Einen wesentlichen Anteil an den sonstigen Ausgaben hatte bei einem Teil der Rentner auch die Hilfe für Verwandte und Freunde, 33,6% der befragten Rentner hatten in den letzten 30 Tagen eine Person mit Geld oder Sachleistungen (Kleidung, Nahrung etc.) unterstützt. In 89,1% der Fälle handelte es sich dabei um Hilfe für Kinder und Enkelkinder. Aus diesen Daten wird es deutlich, dass innerhalb der Familien einen gegenseitige Hilfe existiert. Die Rentner leisten sogar häufiger Hilfe, als sie sie bekommen, denn die Zahl der Rentner, die eine Hilfe geleistet haben, ist nach den RLMS Daten 2,3 Mal so hoch wie die Zahl derjenigen, die Hilfe bekommen haben und in den Familiennetzwerken beträgt der entsprechende Index sogar 2,5. Unter den arbeitenden Rentnern ist die Zahl der Rentner, die Hilfe geleistet haben sogar 2,8 Mal höher, als die Zahl der Rentner, die Hilfe bekommen haben, der entsprechende Index in den Familien beträgt hier 3,7. Das lässt sich auch mit der Einstellung der Rentner erklären, die sich sagen: „Ich habe mein Leben gelebt und sie haben noch alles vor sich“.

Im nächsten Kapitel gehe ich auf die armen Rentnerehepaare Ende der 90er Jahre ein.

Paul Becker für

*Vgl. dazu http://www.cpc.unc.edu/projects/rlms/papers/Econ1998.pdf

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Analysen: Rente und Rentner in Russland seit 1991 3. Teil

Veröffentlicht am 25 März 2009 von Paul Becker

Liebe Leser der GUS- News,

im dritten Teil meiner Analyse der russischen Renten und Rentnerlebens werde ich die Einkommens- und Ausgabestruktur russischer Rentnerehepaare untersuchen.

„The Russian Longitudnal Monitoring Survey“ (RLMS), der detaillierte Messungen von Haushaltseinkommen, Haushaltsausgaben und Haushaltskonsum von 3831 Familien enthält, untersuchte in den Abschnitten Einkommen (18 Fragen), Ausgaben (24 Fragen) und Hauswirtschaft (Farming and Animal Husbandry) (21 Fragen) unter Anderem entsprechend der Familiensituation auch die Haushaltssituation von Rentnern. Dabei wurden die Rentner in drei folgende Kategorien unterteilt:

1. Rentnerehepaare
2. Alleinstehende Rentner (wird im 4. Teil behandelt)
3. Arme Rentnerehepaare (wird im 4. Teil behandelt)

Im folgenden Kapitel werde ich die Struktur der Haushalteinkommen und der Ausgaben russischer Rentner an der Schwelle zum 21. Jhr. untersuchen.

Struktur der Haushaltseinkommen der Rentnerehepaare

Das durchschnittliche Geldeinkommen einer Rentnerfamilie betrug 1999 nach den RMLS- Daten 1129,5 Rubel/ Monat, wovon pro Familie durchschnittlich 875,8 Rubel Geldeinkommen aus Renten waren. Die Rentenzahlungen leisteten damit durchschnittlich einen Beitrag von 77,5% zum Familieneinkommen dieser Gruppe, wobei auch eine Kategorie von Rentnerfamilien existierte, bei denen die Rente die einzige Einkommensquelle bildete:

Tabelle 3: Die Struktur des Familieneinkommens pro Monat¹²

Struktur der Monatseinkommen russischer Rentner

© GUS- News. Für größere Auflösung bitte die Grafik anklicken

¹ Quelle Dr. N. Tchernina: Die russ. Rentner in den 90er Jahren S. 24ff.
² Am 1.12.99 stand der Kurs des Euros zu Rubel in einem Verhältnis 1: 27, also betrug die durchschnittlich Rente umgerechnet rund 32,43 €

Geldeinkommen aus Eigentum bezogen 28,6% der befragten Ehepaare. Mit anderen Worten sind 28,6% der russischen Rentnerehepaare, wo beide Seiten eine Rente beziehen, dazu gezwungen und bzw. haben die Möglichkeit durch Vermietung von Zimmern in ihren Wohnungen ihr Haushaltseinkommen zu verbessern. Der Mittelwert lag bei 93,5 Rubel pro Monat, das Minimum bei 15 und das Maximum an Untermiete 995 Rubel, wobei das Einkommen durch die Vermietung von der Wohnqualität und dem Wohn abhängt. Z.B. gibt es eine niedrige Miete in den provinziellen Städten und eine höhere in den Grosstädten, besonders in der Hauptstadt. Dieses Einkommen aus Vermietung entsprach 10,7% der durchschnittlichen Rente beider Eheleute. Der Verkauf von Eigentum wurde nur von 1,6% der befragten Rentner bestätigt (Minimum 75 Rubel, Maximum 1500 Rubel), wobei nicht bekannt ist, was im Einzelnen verkauft wurde. Man kann aber größtenteils von persönlichen Gegenständen ausgehen, die in die zweite Hand verkauft wurden. Die geringe Anzahl der Rentner, die ihre Sachen verkauft, spiegelt zwei Tatsachen wider:

  1. Die Rentner verfügen meist nicht mehr über die Gegenstände, die sie veräußern könne, weil sie bereits Anfang und Mitte der 90er Jahre verkauft worden sind
  2. Die Gegenstände, die sie noch anzubieten hätte, entsprechen nicht mehr der gewünschten Qualität und werden nicht nachgefragt.

Hilfe von „außen“ erhielten in den letzten 30 Tagen 15,2% der Ehepaare. Dazu zählten Hilfen von verschiedenen Organisationen und von Privatpersonen (Mittelwert 563,5 Rubel pro Monat, was der Hälfte des Geldeinkommens einer Familie entsprach). 12,1% der befragten Ehepaare bestätigten den Erhalt von Lebensmitteln oder finanziellen Hilfen von Verwandten und Bekannten (Mittelwert lag bei 639 Rubeln, Das Minimum bei 20 und das Maximum bei 3500 Rubel).

Aufgrund dieser relativ hohen Werte wurden auch die finanziellen Beziehungen zwischen den Generationen näher untersucht, d.h. es sollte überprüft werden, welches Ausmaß die finanzielle Hilfe von Kindern für ihre Eltern hatte. Dabei stellte sich heraus, dass jedes zehnte Rentnerehepaar durchschnittlich 419 Rubel pro Monat von den Kindern bekommen hatte, das waren 32,6% des Geldeinkommens dieser Rentnerehepaare. Es gab dabei allerdings erhebliche Differenzen in der Höhe, denn das Minimum betrug hier 6% des Durchschnittseinkommens des Rentnerehepaars, das Maximum 50,5%. Ferner stellte sich heraus, dass 54,3% der Rentnerpaare, die von ihren Kindern unterstützt wurden, gleichzeitig eine sehr niedrige Rente bezogen. Durchschnittlich betrug das Geldeinkommen der Hilfe beziehenden Rentnerehepaare 1283,7 Rubel und war damit um 13,7% höher als der Mittelwert der Gesamtdaten (1129,4 Rubel)Bei diesen Angaben muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Rentner einen Teil der Hilfe in Form von Waren bekamen, die von den Rentnern in Geldeinheiten bewertet werden mussten.

Weiterhin kompensierten die Rentner den Mangel an Einkommen teilweise durch Naturaleinkünfte, die sie in Einzelwirtschaft erzeugten. In der Befragung teilten 74,3% der Rentnerehepaare mit, dass sie ein Grundstück besitzen, 34,9% von ihnen hatten Vieh, Geflügel oder Bienen, 32,7% sammelten Pilze, Waldbeeren oder medizinische Pflanzen. 92% dieser Einzelwirtschaft betreibenden Befragten gaben an, die Produkte innerhalb der Familien zu verbrauchen, d.h. sie auch für die Familien ihrer Kinder zu produzieren.

Größtenteils wurden die Nahrungsmittel daher für den persönlichen Konsum genutzt, die Rentner sagen daher häufig auch, dass ihr Grundstück sie ernährt, da der Verzehr von Obst

und Gemüse fast ausschließlich durch das eigene Grundstück gewährleistet wird. Im Gegensatz dazu zeigen die Daten einer regionalen Untersuchung der städtischen Familien, die Hauswirtschaft betreiben (es wurden 360 Familien im Gebiet Moskau im Jahre 1999 befragt) ein ganz anderes Bild. Man führte eine Geldbewertung der eigener Rente durch. 6 Säcke Kartoffeln und 3 Säcke Äpfel haben einen Hauptbeitrag zu dem auf dem eigenen Grundstück „gesammelten Korb“ geliefert. Durchschnittlich wurde eine Ernte auf 5230 Rubel pro Familie geschätzt. Tatsächlich wird der Beitrag der eigenen Ernte auf ca. 25- 30% weniger geschätzt, da eine Ernte bei der städtischen Bevölkerung nicht gut aufbewahrt werden kann. Gleichzeitig wurden der Kraftaufwand und die anderen Ausgaben geschätzt (5140 Rubel). Man sieht, dass das Einkommen durch eigene Ernte die notwendigen Ausgaben nur wenig übertrifft und die Hauswirtschaft eine geringe Effektivität aufweist. Häufig haben die Rentner aber keine Möglichkeit, auf effektive Weise ihr Nahrungsangebot zu verbessern oder frisches Obst und Gemüse zu kaufen.

Nur 8% der Hauswirtschaft betreibenden Rentnerehepaare bestätigten, dass sie einen Teil der Erzeugnisse- „in den letzten 30 Tagen“ – verkauft haben. Die zusätzlichen Einnahmen aus diesem Verkauf betrugen durchschnittlich 1364 Rubel (Minimum 60 Rubel, Maximum 5000 Rubel), wobei beachtet werden muss, dass die Umfrage in den Monaten Oktober bis Januar durchgeführt wurde.

Bei der näheren Untersuchung stellte sich heraus, dass die Rentnerehepaare, die einen Teil der eigenen Ernte verkauft haben, nur sehr selten Einkommen aus anderen Quellen bezogen. Nur ein Rentnerehepaar bestätigte, dass es Eigentum im Wert von 1500 Rubel verkauft hat. Von denjenigen Rentnerehepaaren, die Lebensmittel für den Verkauf erzeugen, taten dies 36,8% im Zeitraum von 5 Jahren nach Renteneintritt, der Rest der Rentner war noch älter. Es sind also Rentnerehepaare, die über geringe bis sehr geringe Renten verfügen und bereits seit mehr als 5 Jahren Rentner sind und sowohl ihre Ersparnisse (ob durch Inflation der 90er, oder durch Nahrungsmittelkonsum) aufgebraucht, als auch keine privaten Sachen mehr zum Verkauf anbieten und keine Hilfe von „außen“ erwarten können.

10,5% der befragten Rentnerpaare hatten Geld geliehen (Mittelwert 239,6 Rubel, Minimum 20 Rubel, Maximum 700 Rubel). Im Gegensatz dazu teilten 8,2% mit, dass sie Ersparnisse gemacht hätten (Mittelwert 480,8 Rubel, Minimum 50 Rubel, Maximum 3000 Rubel). Geliehen wird das Geld meistens untereinander, oder dem Nachbar, „Bis zur nächsten Renten/ Lohn“. Und es handelt sich in diesen Kreisen meist um kleine Summen. Wenn man von Ersparnissen spricht, dann handelt es sich meisten um das Geld „für die schlechteren Tage“, oder für die eigene Bestattung, welches die Rentner bereits zu ihren Lebzeiten versuchen aufzusparen. Doch die meisten Ersparnisse wurden von der Hyperinflation 1992- 1993 aufgezehrt und mussten nun mühsam von dem wenigen, was die Rentner haben, neu gespart werden.

14,9% aller befragten Rentner bezogen als zweite Geldeinkommensart einen Lohn (oder teilweise auch Waren und Dienstleistungen, die in Geldeinheiten bewertet wurden), der durchschnittlich 923,9 Rubel pro Monat betrug. Dadurch hat sich das Einkommen bei den Rentnerfamilien mit einem, oder zwei arbeitenden Familienmitgliedern auf durchschnittlich 1670,7 Rubel erhöht und war damit 1,5 Mal höher als der auf alle Rentnerfamilien bezogener Wert. Das Durchschnittseinkommen / Kopf beträgt in dieser Rentnergruppe mit 835,4 Rubel das 2,4- Fache des Existenzminimums der Rentner. Im Vergleich dazu liegt der entsprechende Index über alle Rentnerfamilien bei 1,6 des Existenzminimums. Der Lohn ist damit eine sehr wichtige Komponente des Lebensunterhaltes bei den erwerbsfähigen Rentnern. Von allen Familien mit einem arbeitenden Familienmitglied beträgt der Anteil der Familien, deren Einkommen durch Arbeit höher als ihre Rente ist, 39%. Durchschnittlich macht die Rente bei diesen Familien 53,8% des Familieneinkommens aus.

Der Anteil der arbeitenden Rentner, die Vieh, Geflügel oder Bienen haben ist deutlich geringer als der entsprechende Anteil bei allen Rentnerfamilien 17% gegenüber den 34,9%), was natürlich ist. Die Arbeitenden Rentner konzentrieren sich mehr auf die Erzielung von Geldeinkünften als auf die Naturalwirtschaft. Trotzdem züchten immer noch ¾ der Rentnerfamilien mit einem arbeitenden Familienmitglied auch noch Obst und Gemüse auf ihrem Grundstück. Die Möglichkeiten der arbeitenden Rentner, an Netzwerken von großen Familien teilzunehmen ist entscheidend größer als bei den übrigen Rentnerkategorien, weil sie über mehr Beziehungen verfügen und Waren, Geschenke und ähnliche Vergünstigungen auch von ihren Betrieben bekommen. Ihre Teilnahme an Familiennetzwerken ist daher vielfältiger und dies wirkt sich wiederum positiv auf ihre Geldressourcen aus, denn 19,2% dieser Rentnerkategorie bekam in den letzten 30 Tagen eine Hilfe von Außen. Zum Vergleich noch mal lag diese Zahl bei den übrigen Rentnern bei lediglich 15,2%.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die russischen Rentner, sogar die Moskauer, die schon traditionell besser gestellt waren, sind heutzutage gezwungen nach zusätzlichen Einkünften Ausschau zu halten, seien es Gelder aus dem Verkauf von persönlichen Sachen, geliehenes Geld, Einkünfte aus der Arbeit, Naturalwirtschaft oder die Hilfe von Außen. Von der eigentlichen Rente können in Russland momentan nur sehr wenige Leben. Wofür diese Gelder ausgegeben werden, untersuche ich im nächsten Kapitel.

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Russland: Steigende Armutszahlen

Veröffentlicht am 13 Februar 2009 von Paul Becker

Wie die russische Zeitung “Kommersant” berichtet wird die Zahl der von der Armut betroffenen Bürger Russischer Föderation zum ersten Mal seit Jahren anwachsen.

Dabei beruft sich die Zeitung auf die offiziellen Angaben des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung. Laut diesen Angaben belief sich die Zahl russischer Bürge, die mit einem Einkommen, das niedriger ist als das durchschnittliche Existenzminimum, auf 18,6 Millionen, oder mehr als 13% der Gesamtbevölkerung angewachsen ist.

Die Experten  im Ministerium für Wirtschaftsentwicklung sind der Meinung, dass niedriges Tempo der realen Lohnzuwächse und hohe Inflationsrate für das Armutswachstum verantwortlich seien.

Mitte letzten Jahres sagten 45% russischer Bürger in einer Umfrage des Fonds “Obshhestwennoe mnenie” (Gesellschaftliche Meinung) aus, dass es in den letzten 2- 3 Jahren die Anzahl armer Menschen im Land zugenommen sei. Dabei bezeichneten 39% der Respondenten sich selbst als arm.

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